Wenn ich mit Gründern arbeite, beginnen wir nicht mit Businessplänen oder Marketingstrategien, sondern mit ihrer
Geschichte. Wir arbeiten stark angelehnt an die
Find Your WHY Lektüre von Simon Sinek, indem wir Geschichten aus ihrer Vergangenheit sammeln, die emotionale Höhepunkte markieren. Konkret geht es um Momente, in denen sie so gerührt waren, dass sie es bis heute nicht vergessen haben.
Während meine Coachees sprechen, interessiere ich mich weniger für die äußeren Fakten als für die inneren Bewegungen: Welche Bedürfnisse stehen dahinter? Was genau hat ihn an dieser Situation innerlich berührt oder aufgewühlt? Was wäre ihm ohne dieses Ereignis vielleicht nie bewusst geworden?
Aus jeder Geschichte extrahiere ich den Beitrag, den der Gründer geleistet hat und die Wirkung, die dabei entstanden ist. Je mehr Geschichten wir durch diese Brille betrachten, desto klarer werden die Muster.Themen, die häufig und mit hoher Intensität vorkommen, liefern die Basis für eine erste
WARUM-Formulierung. Dieser eine Satz soll den inneren Zweck der Existenz, so gut wie möglich auf den Punkt bringen. Mit der Zeit ändert sich diese Formulierung leicht. Sie soll immer stärker mit dem innersten Kern resonieren.
An dieser Stelle taucht eine berechtigte Frage auf, die ich immer wieder höre: „Können Gründer mit ihrer Leidenschaft wirklich Geld verdienen oder sollten manche Dinge einfach ein Hobby bleiben?”. Die ehrliche Antwort ist, dass nicht jede Leidenschaft dazu gemacht ist, zur Haupteinnahmequelle zu werden. Ich habe das selbst erlebt.
Meine Freundin und ich lieben Musik. Gleichzeitig teilen wir eine große Freude an Innendesign. Als wir 2020 unsere Wohnung in Graz einrichteten, entstand aus dieser Passion die Idee für „Are & Be" - musikalisch inspirierte Designermöbel. Ich war fasziniert von dem Gedanken, Musik sichtbar und greifbar zu machen. Also entwarf ich eine Trompetenlampe, einen Snaredrum-Beistelltisch und ein Klavier-Bücherregal.
Der Aufwand für die Herstellung dieser Stücke war gewaltig. Entsprechend hoch musste der Preis sein. Gleichzeitig ist die Designmöbel-Branche hart umkämpft. Die Verkaufszahlen waren okay, aber weit entfernt von dem, was es für ein tragfähiges Unternehmen gebraucht hätte. Das war jedoch nicht der eigentliche Grund, warum ich das Projekt schließlich auf Eis legte. Der Wendepunkt kam an einem ganz gewöhnlichen Nachmittag in meinem Studio, als mich plötzlich ein Gedanke traf: „Das hier bin nicht ich.” Ich bin ein zutiefst sozialer Mensch. Ich blühe auf, wenn ich mit Menschen arbeite, wenn ich Reaktionen spüre und sehe, wie bei meinen Kunden ein Knoten aufgeht.
In diesem Moment wurde mir klar, dass das Spielfeld nicht zu meinen Stärken passt. Deshalb reicht es nicht, nur dein WARUM zu kennen. Der zweite Schritt ist eine radikal
ehrliche Stärkenanalyse:
- Bei welchen Tätigkeiten verliere ich das Zeitgefühl?
- Wo erziele ich größere Erträge als der Durchschnitt?
- Was macht mir Spaß, fühlt sich für andere aber nach Arbeit an?
Die Antworten auf diese Fragen bilden deinen
Wettbewerbsvorteil. Du lernst schneller, erzielst in kürzerer Zeit bessere Ergebnisse und hältst länger durch als andere.
Diese Stärken sind jedoch einzeln betrachtet oft unspektakulär und deshalb schwer identifizierbar. Um die Stärken des Gründers sichtbar zu machen, verwenden wir eine Methode, die sich „
Talent Stacking" nennt. Statt ein einziges, übermächtiges Talent zu besitzen, kombinierst du mehrere gute Fähigkeiten so, dass die Mischung einzigartig wird.
Eine Metapher wäre ein Baumstamm im Querschnitt. Im Kern liegt das WARUM, deine authentisches Selbst. Herum wachsen über die Jahre Ringe:
Erfahrungen, Kompetenzen, Skills. Jede Schicht macht uns widerstandsfähiger und individueller. Die äußeren Ringe sind das, womit das Unternehmen am Markt sichtbar wird und Geld verdient.
Ein Unternehmen, das nur auf den äußeren Ringen basiert, kann funktionieren, aber fühlt sich oft innerlich hohl an. Ein Unternehmen, das mit dem Kern verbunden ist, kann ein Leben lang tragen. Sobald dir dein innerer Kern und deine äußeren Ringe bewusst sind, stellt sich die Frage, für wen du sie einsetzen willst. Hier kommt die zweite Variable ins Spiel.